Was geschieht eigentlich in der Mensch und Tier Beziehung?
Wir versuchen oft, das Verhalten unseres Gegenübers zu verstehen, bevor wir uns anschauen, was wir selbst in diese Begegnung mitbringen.
Ein Pferd steigt. Ein Hund bellt. Eine Katze bringt eine Maus nach Hause.
Unsere erste Frage lautet meistens:
Warum macht das Tier das?

Wir suchen nach Ursachen, nach Erfahrungen, nach Erziehung, nach Rassemerkmalen oder nach einem bestimmten Verhaltensmuster. Das ist nachvollziehbar.
Und natürlich kann es wichtig sein, Verhalten zu verstehen.
Aber manchmal führt uns diese Frage noch nicht dorthin, wo Veränderung tatsächlich beginnen kann.
Denn es gibt noch eine andere Frage:
Was geschieht eigentlich in mir, wenn mein Tier sich so verhält?
Was wirkt in uns?
Was passiert in mir, wenn mein Pferd steigt?
Was löst es in mir aus, wenn mein Hund bellt?
Was denke ich, wenn meine Katze eine Maus tötet?
Vielleicht entsteht Angst. Vielleicht Ärger. Vielleicht Hilflosigkeit.
Vielleicht aber auch sofort eine Erwartung:
Das macht er bestimmt wieder.
Das geht gleich schief.
Ich wusste doch, dass das passiert.
Solche Gedanken kennen wir nicht nur im Umgang mit Tieren.
Wir erleben sie jeden Tag.
"Ich wusste dass meine Katze so nicht angefasst werden möchte"
"Ich wusste dass er bei dem Geräusch so reagiert"
"Ich wusste, dass mein Hund gleich in die Leine geht"
Interessant ist nicht allein, ob unsere Erwartung anschließend tatsächlich eintritt.
Interessant ist auch:
Was war vorher bereits in uns vorhanden?
Welche Erfahrung? Welche Überzeugung? Welche Erwartung? Welche innere Haltung?
Denn bevor wir auf eine Situation reagieren, haben wir sie häufig bereits bewertet.
Und diese Bewertung beeinflusst wiederum, wie wir wahrnehmen, wie wir uns verhalten und wie wir unserem Gegenüber begegnen.
Wir bringen mehr mit, als wir glauben
Wir gehen selten vollkommen unvoreingenommen in eine Begegnung.
Wir bringen unsere eigene Geschichte mit.
Aber nicht nur unsere eigene.
Wir übernehmen Vorstellungen von Eltern, Partnern, Freunden, Trainern, Lehrern und anderen Menschen. Wir übernehmen Geschichten. Über Tiere. Über bestimmte Rassen.
Über bestimmte Verhaltensweisen. Über das, was „normal“ ist.
„Diese Rasse ist eben so.“ „Pferde sind Fluchttiere.“ „Katzen sind eigenständig.“
„Mit diesem Hund musst du konsequent sein.“
Vielleicht haben wir diese Dinge nie selbst überprüft.
Vielleicht haben wir sie einfach irgendwann übernommen.
Und manchmal übernehmen wir sogar Erfahrungen, die gar nicht unsere eigenen sind.
Der Hund, den wir heute vor uns haben, wird dann unbewusst mit dem Hund verglichen, den wir früher hatten.
Die Geschichte eines anderen Menschen wird zu unserer Erwartung.
Eine Erfahrung aus der Vergangenheit wird zum Filter für die Gegenwart.
Auch unser Bild von Tieren ist nicht überall gleich
Wie wir Tiere betrachten, hängt nicht nur von unseren persönlichen Erfahrungen ab.
Auch Kultur und Gesellschaft prägen unser Verhältnis zu ihnen.
In verschiedenen Teilen der Welt gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Bedeutung Tiere haben, welchen Platz sie im menschlichen Leben einnehmen und wie die Beziehung zwischen Mensch und Tier verstanden wird.
Das bedeutet nicht, dass eine Sichtweise grundsätzlich richtig und eine andere falsch ist.
Es zeigt vielmehr:
Unser Bild von Tieren ist nicht selbstverständlich.
Wir lernen es. Wir übernehmen es. Und wir entwickeln daraus Erwartungen.
Wir wollen dazugehören
Das gilt nicht nur für unsere Vorstellung von Tieren. Es gilt auch für uns selbst.
Wir lernen früh, wie wir sein sollen. Was richtig ist. Was sich gehört.
Was man besser nicht sagt. Wie man sich verhalten sollte.
Und manchmal übernehmen wir diese Vorstellungen, weil wir dazugehören möchten.
Weil wir gefallen wollen. Weil wir nicht auffallen möchten. Weil wir keine Konflikte wollen.
So entsteht im Laufe unseres Lebens ein persönliches System aus Erfahrungen, Glaubenssätzen, Erwartungen und Bewertungen.
Und mit genau diesem System begegnen wir unserem Tier.
Wir sehen nicht nur das Tier.
Wir sehen das Tier auch durch das, was bereits in uns vorhanden ist.
Deshalb interessiert mich nicht nur das Verhalten
Wenn ein Tier ein bestimmtes Verhalten zeigt, kann man versuchen, dieses Verhalten zu erklären. Man kann beobachten, analysieren und nach möglichen Ursachen suchen.
Das kann wertvoll sein. Aber eine Erklärung ist noch keine Veränderung.
Ich kann verstehen, warum mein Hund bellt – und trotzdem verändert sich dadurch noch lange nicht unsere Beziehung. Ich kann wissen, warum mein Pferd in einer bestimmten Situation reagiert – und trotzdem bleibt meine eigene Unsicherheit bestehen.
Ich kann verstehen, warum meine Katze eine Maus tötet – und trotzdem kann die Situation in mir etwas auslösen, das mit der Katze allein gar nichts zu tun hat.
Deshalb stelle ich manchmal eine andere Frage:
Was geschieht hier eigentlich zwischen uns?
Das Tier ist nicht einfach unser Spiegel
Ich halte wenig von der einfachen Aussage:
„Dein Tier ist dein Spiegel.“
Denn ein Tier ist kein Werkzeug für unsere persönliche Entwicklung.
Es ist ein eigenständiges Lebewesen. Mit eigener Wahrnehmung, eigenen Bedürfnissen und seiner eigenen Geschichte. Aber Mensch und Tier leben in Beziehung.
Und Beziehungen wirken. Wir nehmen wahr.
Wir reagieren. Das Tier reagiert. Wir reagieren darauf wiederum.
Es entsteht ein fortlaufender Prozess. Genau diese Wechselwirkung interessiert mich.
Nicht:
„Was sagt das Tier über dich aus?“
Sondern:
„Was können wir erkennen, wenn wir beide Seiten dieser Beziehung betrachten?“
Tierkommunikation ist dabei mein Werkzeug
Tierkommunikation ist für mich deshalb nicht das eigentliche Ziel meiner Arbeit.
Sie ist mein Werkzeug. Ein besonderer Zugang zu einer Beziehung, die wir Menschen häufig nur aus unserer eigenen Perspektive betrachten. Durch Tierkommunikation können Wahrnehmungen und Informationen entstehen, die mir eine andere Perspektive auf das Tier und auf die Beziehung ermöglichen.
Dabei unterscheide ich bewusst zwischen persönlicher Erfahrung und wissenschaftlicher Belegbarkeit. Ich behaupte nicht, dass jede Form der Tierkommunikation wissenschaftlich nachgewiesen ist. Ich beschreibe, was ich in meiner Arbeit erlebe und wahrnehme.
Und genau deshalb ist für mich auch die eigene Haltung so wichtig.
Ich muss mich selbst so weit wie möglich zurücknehmen.
Meine Erwartungen. Meine Bewertungen. Meine eigenen Geschichten.
Denn wenn ich mit einer fertigen Antwort in eine Begegnung gehe, besteht die Gefahr, dass ich nur das wahrnehme, was ich ohnehin schon erwartet habe.
Wahrnehmung beginnt für mich deshalb mit Offenheit.
Und dann kann etwas sichtbar werden
Manchmal zeigt sich tatsächlich etwas über das Tier.
Manchmal wird etwas in der Beziehung zwischen Mensch und Tier sichtbar.
Und manchmal führt die Frage nach dem Tier überraschend weit in das Leben des Menschen hinein.
Eine Veränderung im Verhalten. Eine schwierige Lebensphase. Eine Beziehung, die sich verändert. Ein alter Glaubenssatz. Eine Angst. Eine Entscheidung, die längst ansteht.
Das bedeutet nicht, dass der Mensch „schuld“ am Verhalten seines Tieres ist.
Und es bedeutet auch nicht, dass jedes Verhalten eine versteckte Botschaft enthält.
Es bedeutet lediglich:
Wir können eine Situation aus mehr als einer Perspektive betrachten.
Und manchmal verändert allein dieser andere Blick bereits etwas.
Genau hier beginnt meine Arbeit
Meine Arbeit besteht nicht darin, dem Menschen vorzuschreiben, wie er sein Tier führen oder ein bestimmtes Verhalten abstellen soll.
Mich interessiert die Entwicklung des Menschen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Ich verbinde dabei Life Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Entwicklungsbegleitung und meine Erfahrung in der Mensch-Tier-Beziehung.
Die Tierkommunikation ist eines meiner Werkzeuge.
Das Tier kann dabei zu einem besonderen Zugang werden – zu Fragen, die vielleicht längst im eigenen Leben vorhanden sind.
Deshalb geht es für mich nicht darum, möglichst schnell eine Antwort auf die Frage
„Warum macht mein Tier das?“
zu finden.
Manchmal ist eine andere Frage viel interessanter:
„Was geschieht eigentlich in mir, wenn mein Tier das tut?“
Und vielleicht noch eine:
„Was geschieht zwischen uns?“
Denn genau dort können Zusammenhänge sichtbar werden, die vorher nicht erkennbar waren.
Und dort kann persönliche Entwicklung beginnen.
Thomas Moser Entwicklungsbegleitung für Mensch und Tier
Life Coaching Tierkommunikation



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